Glasmaster und Source Identification Code: Alles Ansichtssache?

Im Konflikt der Begriffsdefinitionen!
Fachartikel, Autor: Stefan Braun © 2007

Veröffentlichung März 2007, Heft 2/2007
Seite 50-57, Rubrik Hintergrund, 21.000 AS, 14 NS
Studio Magazin, Fachzeitschrift für professionelle Audiotechnik, Studio Presse Verlag GmbH Oberhausen

Täglich werden hunderte von Produktionen weltweit hergestellt, gemastert und gepresst. Die von Auftraggebern (z.B. Musiklabel, Filmproduktionsfirma oder Softwarehersteller) und Auftragnehmern (Presswerke) verwendeten Fachwörter und Begriffe sind von der Auftragerstellung bis über den Produktionsablauf teilweise haarsträubend falsch gewählt.
Problematisch wird es, wenn Produktionsfirma und Presswerk in einen Streit geraten und die Produktionsfirma aus diesem Grund die Herausgabe der Produktionsmaterialien verlangt. Speziell die von Presswerken selbst hergestellten so genannten „Glasmaster“ sind dabei oft ein sensibler Streitpunkt.

Die überwiegende Zahl der Presswerke verweigert eine Herausgabe der Glasmaster. Sie fürchten sich vor einer missbräuchlichen Verwendung der Glasmaster durch Piraterie und der sehr exklusiv geschützten Fertigungstechnologie, die in falschen Händen ein Ausspionieren der Maschinenspezifikationen ermöglicht. Bei genauerer Betrachtung ist zur Durchführung einer vorsätzlichen Raubkopie kein Glasmaster notwendig und Informationen über die verwendeten Maschinen sind bei den jeweiligen Maschinenbauern frei erhältlich. Vielmehr liegt die Zurückbehaltungspraxis in einer Konkurrenzabwehr durch Mitbewerber aber auch in der dauerhaften „Zwangs-Bindung“ des Kunden begründet.

Alles Ausreden?
Grundsätzlich ist das Anbringen von Firmen- oder Werbelogos im Innenring des Glasmasters durch das Presswerk nicht statthaft, solange dazu kein Auftrag des Kunden vorliegt.
Das Presswerk unterliegt auch keiner Verpflichtung, einen SID-Code, eigene Firmenlogos und andere Firmendaten in den Innenring einzugravieren, die nichts mit dem Kundenauftrag zu tun haben. Sicherlich kann ein Presswerk einen SID-Code anbringen und an der freiwilligen Selbstkontrolle zur Verhinderung von Piraterie teilnehmen, darf dies aber nicht negativ gegen ihre Kunden argumentieren. Auch hier wird auf die ständige Rechtssprechung hingewiesen….

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Dr. Stefan K. Braun, geboren in Solothurn (Schweiz), ist Dipl.-Ing. für Medien und Dipl.-Sachverständiger (BWA). Er studierte an der Hochschule der Medien in Stuttgart sowie an der Europäischen BWA Hochschule für Wirtschaft und Management in St. Gallen / Schweiz. Von 08/2013 – 02/2017 absolvierte er ein Promotionsstudium an der Comenius Universität, Fakultät für Management, in Bratislava (Slowakei). Dr. Braun ist Medieningenieur, Verleger, Herausgeber und Autor. Dr. Stefan K. Braun arbeitet heute als Medienexperte, Kommunikationsspezialist und Sachverständiger für Medienproduktion und Mediendesign in Frankfurt am Main. Er ist Autor zahlreicher Buch- Fachveröffentlichungen und vertritt als Delegierter der „Berufsgruppe Verleger“ die Rechte und Interessen der außerordentlichen und angeschlossenen Mitglieder der Verwertungsgesellschaft GEMA. Bei der IHK Frankfurt am Main ist er Mitglied in den Prüfungsausschüssen für Mediengestalter, Gestaltung und Technik Digital, Konzeption + Visualisierung, Beratung + Planung sowie Gründungsmitglied des Prüfungsausschusses Musikfachwirt/-in (IHK) in Frankfurt am Main. Dr. Stefan K. Braun hält Vorträge zu aktuellen Medienthemen und ist Lehrbeauftragter in den Bereichen Medienmanagement und Medienwirtschaft. Aktuelle Buchveröffentlichung: „Verhaltensabhängige Betrachtungen bei Piraterieabsichten“ in „Wissenschaft und Forschung (2017)“ (uni-edition, Berlin).

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