Ostbayerischer Versicherungstag 2026
Zwei potenzielle Schlüsseltechnologien prägen die nächsten Jahre: Künstliche Intelligenz und Quantencomputing. Dr. Stefan K. Braun, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, spricht über Künstliche Intelligenz, Deepfake und forensische Analyseverfahren.
Medien 5.0: Faktenzeichen Forensik, KI und Fake- Expertenvortrag am 20.03.2026 an der IHK für Niederbayern, Standort Landshut – Haus der Wirtschaft.
Zwei potenzielle Schlüsseltechnologien prägen die nächsten Jahre: Künstliche Intelligenz und Quantencomputing (bis hin zur diskutierten „Quantenüberlegenheit“). Falls Quantenrechner die angekündigten Leistungsversprechen einlösen, könnte ein Sprung bevorstehen, der über inkrementelle Verbesserungen deutlich hinausgeht. Für viele bleibt das Thema abstrakt. Doch wenn bestimmte Rechenoperationen in Sekunden erledigt werden könnten, wofür heutige Hochleistungsrechner teils sehr lange benötigen, entstehen neue wirtschaftliche Spielräume. KI ist direkt auf hohe Rechenleistung angewiesen: Machine-Learning-Modelle ließen sich schneller trainieren, iterativer optimieren und effizienter einsetzen.
In der generativen Bild- und Videoproduktion eröffnet das neue Möglichkeiten der Inhaltserzeugung: Filme und Medieninhalte könnten deutlich kostengünstiger produziert werden – einschließlich Szenen und Effekte, die bislang wirtschaftlich oder kreativ sehr aufwändig (oder praktisch nicht umsetzbar) waren. Damit können sich Kosten- und Projektrisiken verschieben; gleichzeitig wächst aber auch das Missbrauchs- und Manipulationspotenzial. Der Vortrag stellt ausgewählte, vielversprechende KI-Ansätze der generativen Bild- und Videoerstellung vor und ordnet aktuelle Beispiele ein.
Die digitale Multimediaforensik befasst sich u. a. mit Bild-, Video- und Audioforensik, Gesichtserkennung und Personenidentifikation, Deepfake-Analyse, Medienpiraterie sowie dem Einsatz von KI-Modellen in Analyse-Workflows. In der kriminaltechnischen Praxis beginnt Forensik klassisch mit Spuren am Ereignisort. Im digitalen Kontext geht es entsprechend um das systematische Identifizieren, Ausschließen, Analysieren und Rekonstruieren relevanter Vorgänge, häufig mit Blick auf Manipulationsfragen: Was ist in diesem Zusammenhang überhaupt „Manipulation“ – und woran lässt sie sich belastbar erkennen? Der Referent gibt Einblicke in Erscheinungsformen, typische Merkmale und Analyseverfahren der Medienforensik im praktischen Einsatz anhand ausgewählter, öffentlich dokumentierter Fälle aus Politik und Wirtschaft.
Bildforensische Methoden können in der Regel nicht die semantische Frage beantworten, ob ein Motiv „wahr“ ist, sondern untersuchen technische Indizien (z. B. Bearbeitungsspuren, Konsistenzbrüche, Kompressionsartefakte, Metadaten, Signalmerkmale). Gleichzeitig werden heute in Sekunden täuschend echt wirkende Bilder und Videos erzeugt, die keinen realen Ursprung haben (Deepfakes). Solche Inhalte zielen auf eine Scheinwirklichkeit ab – damit wird die Authentizitätsprüfung zur Kernfrage: Wie lässt sich die Echtheit bzw. Herkunft von KI-generierten Inhalten technisch prüfen und argumentativ belegen?
Parallel wächst der Datenraum: Schätzungen gehen von einer installierten Basis von über einer Milliarde Überwachungskameras weltweit aus; Video ist damit eine zentrale Quelle in Ermittlungen und Schaden-/Betrugsaufklärung. Neue 2D- und 3D-Verfahren der KI-gestützten Gesichtserkennung zeigen, wie Identitäten abgeleitet, Gesichtsverhalten analysiert und Ähnlichkeiten in Gesichtsmerkmalen quantifiziert werden.
Auch der Modellmarkt entwickelt sich rasant: Für 2023 werden rund 150 veröffentlichte Foundation Models berichtet. Plattformen wie der Hugging Face Hub listen inzwischen Millionen öffentlich zugänglicher Modelle und Artefakte; in jüngeren Berichten wird von etwa 2,5 Mio. öffentlichen Modellen gesprochen. Diese Dynamik beschleunigt Innovationszyklen und erhöht zugleich die Anforderungen an forensische Methodik, Dokumentation und Begründungstiefe.
